#32 Crime Stories V

Folge auf Spotify // Zeitangaben entsprechend

00:00 //
Stephan kämpft mit den Reglern, dann nachrichtensprecherlike Einleitung von Micha in Flanell, dem es im Studio viel zu warm ist. Thema heute: Kannibalismus, Stephan reicht dazu den Hannibal-Lecter-Gedächtnis-Chianti und spricht auch diesmal die „Fava“-Bohnen wieder falsch aus. // Micha hat zwei Fälle dabei: Peter Kürten und Fritz Haarmann (nicht! der Fritzl aus Österreich!) aka der „Vampir von Düsseldorf“ und der „Werwolf von Hannover“. Rotenburg nicht, weil „da ist ja nix passiert!“. // Kannibalismus-Foren sind eher nur im Darknet zu finden. // Wie normal sind Menschen, die gegessen werden wollen? //
12:35 //
Der Vampir von Düsseldorf, Peter Kürten (nicht! Dieter Kürten, der Sportreporter!), ein 1A-Hitler-Lookalike, trieb in den 1920ern sein Unwesen, fiel bereits als brutales Kind auf und mordete das erste Mal 1913, blöderweise verlor er dabei ein Taschentuch mit Initialen am Tatort. // Exkurs: Waschbare Hygienehilfen wie Taschentücher und Toilettenpapier, eher „ih“ oder okay? Ersteres kann ggf. auch zum Schnuffeltuch umfunktioniert werden. // Jedenfalls führten die Initialen PK auf eine falsche Fährte innerhalb der Opferfamilie, die Ermittlungen kamen nicht voran (die Mordserie ging bis 1929!). Das preußische Innenministerium schickte einen Super-Ermittler zur Aufklärung. Tötungswerkzeug war unter anderem eine Kaiserschere (Schere mit Kaiserantlitz). –>Kannibale wegen Töten eines Schwans und Versuch, dessen Blut zu trinken. Der gefasste und geständige Kürten wurde mit dem Fallbeil hingerichtet. Motiv übrigens: Menschenhass. // Der Kopf des Hingerichteten wurde noch einschlägig untersucht (antiquierte Pseudowissenschaft: Kann man von Äußerlichkeiten auf die Charaktereigenschaften eines Menschen schließen?), allerdings ohne Ergebnis (natürlich). //
24:54 //
Das Kammerspiel „Der Totmacher“ mit Götz George basiert unter anderem auf der Figur des Werwolfs von Hannover, Fritz Haarmann, der zwischen 1923 und 24 mindestens 24 Männer umgebracht hat. Meist aus dem Homosexuellen- bzw. Strichermilieu, die ihm mithilfe eines Kumpels „zugespielt“ wurden. Haarmann hat auch „gegessen“ und wurde in einem schaurigen Kinderlied verewigt. // Wer kann denn heutzutage noch so eine Mordserie begehen? Stand früher alles in der Zeitung? Heute regelt die Polizei jedenfalls alles anders. // Stephans Kannibale: Issei Sagawa („ganz lieber Kerl!“), japanischer Austauschstudent in Paris, der 1981 eine niederländische Studentin niederschoss und dann (teilweise zubereitet) aß. Flog wegen mangelnder Leichenentsorgung relativ schnell auf. Motiv: Sexualtrieb/Begierde, die sich in extremes Essbedürfnis verwandelte. // Micha erklärt die Grenzen, die Psychopathen nicht haben. // Sagawa wurde in Frankreich nicht verurteilt, sondern nach Japan ausgeliefert und ist dort seitdem (im Sinne von: nach wie vor) auf freiem Fuß. // Durchdeklinieren von Mordmerkmalen nach deutschem Recht: Heimtücke, niedriger Beweggrund, dieser Fall wäre lebenslänglich gewesen. // Issei Sagawa mutierte in Japan zum Medienstar, schrieb 19 Bücher und wurde Pornostar (skurrile Pornos!), denn: nur guter Porno, wenn auch ein echter Kannibale dabei ist! //
38:00 //
Wie entsteht das Bedürfnis, Menschen zu essen? Es sei nicht so abwegig, etwas, das man liebt, auch essen zu wollen, man beißt ja auch mal in den Hintern der Freundin. Hat auch mit dem Nuckeln an der Mutterbrust im Säuglingsalter zu tun. Verbunden mit strenger sexueller Erziehung können schon mal solche Neigungen ausbrechen. Als Kind Kannibale spielen („nichts Ungewöhnliches!“ Wie Ritter oder Indianer spielen!), befeuerte das in Sagawas Fall. // Können Kinder zwischen Spiel und Ernst unterscheiden? // Man könnte aber mit Issei Sagawa als Mann durchaus ein Bier trinken gehen, weil dessen Menschenfleischtrieb ja rein (hetero-)sexuell ist. // Stephan hat auf jeden Fall die Spiele mit seinem Sohn entsprechend angepasst (mehr Brettspiele, mehr Malen, mehr Knete). // Grundsätzlich: Tiere quälen ist ein Alarmsignal!
45:25 //
+++ Zart&Bitter Literatur +++ Stephan featured Ferdinand von Schirach, guter, medienscheuer Typ, den jeder kennt. In einer Geschichte geht es um einen Bonner VWL-Studenten (ein ehemaliger Kommilitone von Stephan?), der seiner Freundin ein Stück aus der Schulter rausbeißt und deswegen wegen Körperverletzung angezeigt und verurteilt wird. Nach der Verhandlung gesteht der Student dem Anwalt, dass er seine Freundin eigentlich essen wollte und wird einige Jahre später verhaftet, weil er eine junge Frau umgebracht hat und nicht dem Rat des Anwalts gefolgt war, einen Spezialisten wegen seiner Neigung aufzusuchen. // Song, Filmmusik, Stephan errät John Carpenter – Halloween nicht („Das Boot?“). Michael Myers hat es übrigens nicht gegeben. //
56:40 //
Stephan hat noch eine Crime-Geschichte parat, die er selbst bei der Gerichtsverhandlung und bei der Urteilsverkündung „erlebt“ hat: Trudel Ulmen, wohl glücklich verheiratet, verschwindet 1996 spurlos (Hintergrundgeräusch Micha:“Es ist 1996… meine Freundin ist weg und bräunt sich…“). Jegliche Suche verläuft spurlos, bis zur Verkündung des Ehemanns, die Ehefrau sei durchgebrannt. Trudels Bruder zweifelt an dieser Auflösung, die Ermittlungen werden eingestellt. Wenige Monate später wird eine Frauenleiche im zwielichtigen Rotlichtgebiet des Siebengebirges gefunden (nicht von einem Pilzsammler, sondern von einem (pilzsammelnden?) Radfahrer), inklusive unweiter leerer Sektflasche. Das FBI muss aushelfen und ein Phantombild (eine Schädel- bzw. Gesichtsrekonstruktion) anfertigen. Man vermutet, es sei Trudel Ulmen, die Polizei befragt den Ehemann, der weder die Klamotten, noch den Schmuck der Leiche wiedererkennt. Micha fordert den DNA-Abgleich, auf den die Polizei damals nicht kam. Der Fall liegt 16 Jahre lang brach. Trudel Ulmen soll schließlich für tot erklärt werden, als ein Journalist aufmerksam wird und die Geschichte wieder aufarbeitet. // Die Ermittlungen werden wieder aufgenommen. Anhand alter Proben können die sterblichen Überreste der gefundenen Frauenleiche als Trudel Ulmen identifiziert werden. Und was war passiert? Die doch nicht so tolle Ehe der Ulmens war am Auseinanderbrechen, im Streit hatte der Ehemann seine Frau mit einem Kissen erstickt (es dauert bis zu 8 Minuten, bis man auf diese Art stirbt). Der Ehemann bekam 11 Jahre. // Stephan spielt eine Aufnahme des Schwagers nach der Urteilsverkündung ab. //
79:20 //
Macht betroffen, das zu hören. Gerichtsverhandlung ist härteste Form der Verbrechensbewältigung. // Ruhiger Song: Sophie Zelmani – The Happy Woman Cries // Schwierig, die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag. Frauen müssen ob körperlicher Unterlegenheit immer planen, begehen also selten eine Affekttat und bekommen somit härteres Strafmaß. Hat aber nichts mit #MeToo zu tun. // Micha hat noch das mysteriöse Verschwinden der Tanja Gräff dabei, die 2007 von einem Sommerfest vom Unigelände in Trier verschwunden ist und nach der intensivst gesucht wurde. Es gab sogar zwei Sendungen „Aktenzeichen XY“ dazu. Tausende Fotos wurden ausgewertet, die Eltern sprachen im TV, am roten Felsen in Trier wurde zunächst erfolglos gesucht. 2015 fand man eine skelettierte Leiche unweit vom Unigelände am Fuß des roten Felsens – quasi neben einem Mehrfamilienhaus aufgrund von Rodungsarbeiten. Identifikation anhand von Papieren, Handy und Kleidung (noch angezogen) sehr einfach, Skandal, dass man die Vermisste nicht schneller gefunden hat. Es ist nicht mehr klärbar, ob Unfall oder Verbrechen – es sei denn, es meldet sich noch jemand dazu. Vielleicht aufgrund der Podcast-Folge? Entscheidende Hinweise bitte immer zuerst an die Polizei! //
97:20 //
Betroffene Abschluss-Sätze. // Suchen des Outros. Bitte nicht das spleenige „Es war mal wieder wunderbar!“-Gedöns, Micha kann. es. nicht. mehr. hören! // Wieviele Tote hatte diese Folge? Bestimmt über 40 (37, Anm. d. Red.) // Nächste Crime-Folge mit Fall Maddie, die Portugal verschwunden ist – sehr gut vorbereitet! //

Bis dann, ciao! //

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