#61 Eimerkette

Folge auf Spotify // Zeitangaben entsprechend

Triggerwarnung: Flut, Hochwasser

00:00 //
Diese Folge kommt so schnell wie möglich live, da man heute, am 25.7.21, schnellstmöglich über die Eindrücke aus dem Ahrtal berichten möchte. Micha ist in dieser Gegend geboren und aufgewachsen. In der Nacht von den 14. auf den 15.7. deutete sich bereits ab, dass es Hochwasser geben würde. // Micha und seine Eltern haben bereits mehrere Hochwasser in dieser Gegend erlebt, seit 2010 wurden in der betroffenen Gegend auch Regenrückhaltebecken installiert, man war eigentlich recht beruhigt, als man mitbekam, dass sich die Feuerwehr bereits kümmert. //
Doch dann trudeln erste bestürzende Nachrichten ein. Chatnachrichten gehen plötzlich nicht mehr raus. Michas Eltern signalisieren noch einen „normalen“ Donnerstag. Dann geht es los: Hochwasser, Bilder aus verschiedenen Gegenden, kein Wissen über die Gesamtsituation. Feedback von Betroffenen, die vermelden, dass sie „überlebt“ haben. Unfassbar, alles. //
Micha hat vor Ort mitgeholfen, bei einem ramponierten Haus eine mögliche Instandhaltung vorzubereiten. Man muss ganze Etagen von Unrat befreien: Decke, Putz, Böden, etc.. // Bitte unbedingt mit möglichem Versicherungsschutz vertraut machen! (Kleiner Berater-Exkurs) //
19:22 //
Keller, Erdgeschoss und 1. Obergeschoss bei manchen Häusern waren/sind komplett ruiniert. Man kann nicht mehr nachvollziehen, wie hoch der Wasserspiegel stand, da die Messgeräte von der Flut weggerissen wurden. Micha hat jeden Tag vor Ort geholfen, so gut er konnte. Man lernt schnell viel dazu, weil man schnell viel schaffen muss. In erster Linie müssen die verwüsteten Geschosse freigeräumt werden. Ohne Strom, ohne Gas, mit etwas Glück noch mit fließendem Wasser. //
Bei Stephan sah die Hilfe anders aus: Er hat neun evakuierte Leute aus einem anderen betroffenen Gebiet (Steinbachtalsperre) bei sich aufgenommen. Man erinnert sich an den Baggerfahrer, der den Ablauf unter massiver Lebensgefahr freigeschaufelt hat. Die Schäden dort vor Ort waren nicht so krass wie im Ahrtal, dort liefen „nur“ Keller voll. // Diskussion über die Schwere dieser Katastrophe. Starkregen oder fast schon Tsunami? // Stephan war auch mal vor Ort bei einem Betroffenen, was man da erlebt, das ist fast unbeschreiblich: verwüstete Straßen, alle Scheiben raus, alle paar Minuten kommt Militär und Feuerwehr vorbei, in den Seitenstraßen Müll-Spaliere. Und der Geruch! Aber: Dass die Straßen dort benutzbar waren – fast Normalität! // Ein Kumpel der beiden ist super vernetzt und so konnte bei Michas Onkel – auch mit Geräten – geholfen werden. //
40:05 //
Die Hilfsbereitschaft aber wirklich: grandios! // Und mit welchen Gerätschaften da geholfen wurde! // Richtig viele Brücken wurden in der Gegend um Bad Neuenahr-Ahrweiler zerstört. Und dann die ganzen Chemikalien aus ausgelaufenen Heizöltanks, Restlacke, offene Farben, etc.. Überhaupt: Dieser ganze Schlamm! Innerhalb kürzester Zeit ist man voll davon! Wie soll man da eine Atemschutzmaske tragen? //
Micha möchte jetzt mal von positiven Dingen erzählen: Entweder, er hat geschaufelt oder stand in einer Eimerkette. Der Hochwasserspiegel war gar nicht so das Problem, die zerstörerische Kraft war eher der Wasserfluss an sich. Und wer da alles einfach so dazu kommt, um zu helfen! Super, wie gut Stirnlampen sind, nicht nur für JoggerInnen! // Micha ist zwar sportlich-kräftig, aber noch lange nicht so fit wie die vier Typen, die die Metall-Badewanne aus dem Keller getragen haben. Insgesamt wurden mehrere Kettensägenblätter verschlissen. Dabei ruhig und koordiniert zu bleiben, geht nur, wenn es Menschen gibt, die die Führung übernehmen. Und wie gut die das machen?! Überhaupt, wie gut manche Äxte und Brecheisen anwenden können! Stephan schwärmt vom Nass-Sauger. //
1:02:25 //
Wie lange dauert das eigentlich, so einen seit Ende der 50er Jahre bewohnten Keller (ca. 70 Quadratmeter) aus- und aufzuräumen? Selbst mit bester Ausrüstung (inkl. Rundschaufel) mit roundabout 20 Leuten mindestens einen Tag. Und was da alles für Erinnerungen zerstört sind! // Eimerketten sind hocheffizient! Aber: Eimer vollschaufeln und ausschütten ist ganz schön anstrengend. Trotz allem war da auch eine gute Stimmung. So gut, dass Micha Werbung für den Podcast machen konnte! //
Was hat Micha gelernt? Ein paar Tipps:
– Wer ein Haus baut, sollte Fliesen legen
– Nicht mit kurzer Hose arbeiten und die lange Hose nicht über die Gummistiefel ziehen!
– Jeansjacke zur Weste umbauen, das schützt das T-Shirt vor dem Schlamm
– Einweghandschuhe unter die Arbeitshandschuhe anziehen! //
Dinge, die für Micha nun wirklich keine Rolle mehr spielen und für ihn komplett erledigt sind:
– BILD-Zeitung
– diese Reporterin, die sich vor der Berichterstattung noch Schmutz ins Gesicht geschmiert hat (wer arbeitet um sieben Uhr morgens mit Dreck ausschließlich im Gesicht und nicht an der Kleidung?)
– Armin Laschet (diese personengewordene Lachnummer hinter dem Bundespräsident!) //
1:33:35 //
Eigentlich müsste man langsam aus dem Talk raus, aber Micha möchte noch eine Sache von zwei extra angereisten Helfern erzählen, die er vor Ort kennengelernt hat. Sie hatten Pumpen, Wassertank und Generator dabei. Total gut ausgerüstet und voll die guten Typen, bärenstark, können Waschmaschinen aufmachen und stromfrei entleeren! Oder schnell was flexen oder mit der Motorsäge arbeiten! Micha total beeindruckt von Christoph, dem Superhelfer, groß, „geschmeidig schlank“, kommunikativ, entscheidungsfreudig, sehr bescheiden, sieht „rasend gut“ aus, ist beruflich nicht weit weg von dem, was in so einer Situation zu tun ist, 24 Jahre alt. //
Micha war so voller Adrenalin in dieser Zeit wie noch nie. Auch die Menge der körperlichen Arbeit war einzigartig! // Christoph und sein Helfer Amadeus sind dann abends (!) um 21 Uhr noch zu Michas Onkel gefahren um zu helfen bzw. die Lage zu checken. // Leider hat Christoph seine geile Kettensäge vergessen und Micha konnte sie zuerst nicht finden. Aber dann! Jetzt liegt sie in Michas Kofferraum und wartet auf Rückgabe. Stephan: „Hast du die mal angemacht?“ Sicher nicht! Wisst ihr, was eine Kettensäge kostet? Schon auch mal 1300 Euro. // Während der Helfer-Zeit hat Micha auch anders gesprochen, in so einer Mischung aus allen regionalen Dialekten. Jetzt ist er aber wieder im Bonn-Modus. //

Jetzt gehen Micha und Stephan erst mal die Kettensäge anschauen. //

Micha appelliert: Bitte spenden, spenden, spenden! //

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s